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Die Gespräche und Äußerungen des türkischen Außenministers Ahmet Davutoglu während seines Deutschlandbesuchs dominieren seit Tagen die Schlagzeilen in allen türkischen Tageszeitungen.


 

Auswertung der tĂĽrkischen Zeitungen  vom:  05. 12. 2011

 

  

 

SCHARFE KRITIK VON DAVUTOGLU AN FRIEDRICH

 

«Davutoglu ermahnt deutschen Minister aufgrund von „islamischem Terror“» heißt es als Aufmacher der heutigen Ausgabe der liberal-islamischen ZAMAN. Ungewöhnlich deutlich stellt sich die Zeitung hinter den türkischen Außenminister Ahmet Davutoglu, der Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich wegen seiner Wortwahl scharf kritisiert habe. Den Aussagen Friedrichs, dass der Rassismus genauso bekämpft werde wie der islamische Terror, habe Davutoglu deutlich widersprochen. «Ich nenne die Neonazi-Morde auch nicht „christlichen Terror“. Sie sollten auch nicht von „islamischem Terror“ sprechen. Es kann immer welche geben, die die Religion für ihre Zwecke missbrauchen. Es ist aber falsch, dafür die Religion verantwortlich zu machen. Diese Benennung ist eine Krankheit, die seit dem 11. September existiert», so Davutoglu.

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AUFKLÄRUNG ZUR CHEFSACHE ERKLÄRT

 

SABAH sieht die Ermittlungen bei den Neonazi-Morden mit den Worten Davutoglus als «Wichtigster Tagesordnungspunkt» fĂĽr die TĂĽrkei. Danach hat der tĂĽrkische AuĂźenminister Ahmet Davutoglu die Aufklärung der Mordserie mit dem Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan zur Chefsache erklärt. Er lehnt zudem den Begriff  „islamischen Terror“ entscheidend ab und will auch keinen Dialog mit Kreisen, die diese Begriffe  verwenden. Die Zeitung zitiert den Minister mit dem Worten:

«Nachdem ich hier in Deutschland mit Opferfamilien gesprochen habe, konnte ich zwei Nächte lang nicht schlafen. Es reicht, das kann nicht so weitergehen. Die Morde in Deutschland mĂĽssen von der deutschen Seite lĂĽckenlos aufgeklärt werden.  Von nun an werden wir mit dem Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan die Sache persönlich verfolgen».
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DAVUTOGLU: WIR VERTRAUEN DEUTSCHLAND!

 

Unter der Schlagzeile «Wir vertrauen unserem Freund» macht dagegen das konservative Massenblatt HÜRRIYET seine heutige Ausgabe auf und widmet sich ebenfalls den Aussagen des türkischen Außenministers Davutoglu, der während seines Deutschland-Besuchs auch mit seinem deutschen Amtskollegen Guido Westerwelle zusammenkam. Dabei habe Davutoglu betont, dass das Vertrauen der türkischen Regierung in die deutschen Behörden hoch sei: «Ich bin mir sicher, dass unsere deutschen Freunde das zehn Jahre währende Mysterium bestmöglich aufdecken werden. Wir vertrauen der deutschen Justiz, dem deutschen System».

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KOMMENTAR- ZAMAN: NICHT ALLE MUSLIME SIND TERRORISTEN

 

ZAMAN-Kolumnist Ismail Kul kommentiert den aus seiner Sicht «gerechtfertigten Einwurf von Davutoglu». Das Problem mit Ausdrücken wie „Islamistischer Terror“ sei, dass sie den Boden bereiten für Islam- und Ausländerfeindlichkeit. Wenn in Deutschland Türken ermordet würden, dann auch deswegen, weil sie zuvor als Bedrohung für das Land hingestellt worden sind. Etwa durch Sarrazin, der sich hingestellt und behauptet habe, dass die Türken rückständig und eine Last für Deutschland seien. Oder durch Henryk Broder, der viel Sympathie für seine Aussage «Nicht alle Muslime sind Terroristen, aber alle Terroristen sind Muslime» erhalten habe. Kul meint, die Neonazi-Verbrechen wurden in Deutschland bedauert, der neue Verfassungsschutzbericht, der im zweiten Quartal 2012 veröffentlicht werde, werde zeigen, wie ernst dieses Bedauern gemeint sei. Man dürfe gespannt sein, welche reale Bedrohung dann im Vordergrund des Berichts stehe.
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KOMMENTAR- SABAH: AM RECHTEN PLATZ ZUR RECHTEN ZEIT

 

«Am rechten Platz, zur rechten Zeit» findet Mikdat Karaalioglu, Chefredakteur der SABAH-Europa-Ausgabe, den Deutschland-Besuch und die Worte des tĂĽrkischen AuĂźenministers. Wie bedeutend die Angelegenheit fĂĽr die TĂĽrkei ist, lasse sich schon an der Tatsache ersehen, dass Davutoglu fĂĽr ganze 5 Tage in Deutschland sei, es sei selten, dass er sich selbst in Ankara fĂĽnf Tage hintereinander aufhalte. Davutoglu, der auf einem deutschen Gymnasium zur Schule gegangen sei, kenne die deutsche Kultur sehr gut. Und so habe er in Deutschland die richtigen, versöhnlichen Worte und Gesten gefunden. Und dies angesichts einer Tragödie, die normalerweise fĂĽr Konflikte sorgen wĂĽrde. «Wir hoffen, dass die Hand, die Davutoglu zur Zusammenarbeit gereicht hat, angenommen wird», so Karaalioglu. 

 

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Donnerstag, 23. Februar 2012
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