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Berliner Chaostage: in Berlin alles drunter und drüber. Politiker stehen am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Seit dem Neuwahl-Coup von Bundeskanzler Schröder geht in Berlin alles drunter und drüber. Politiker stehen am Rande des Nervenzusammenbruchs. Um den Berliner Wahnsinn, wie er in Wochen wie diesen um sich greift, fassbar zu machen, kann man sich verschiedener Messinstrumente bedienen. Man kann die Auftritte und Interviews etwa des stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden Michael Müller pro Tag nehmen und feststellen, dass er im Moment sechs bis sieben davon schafft. Das ist selbst für den stets eloquenten Müller eine ganze Menge, also ein recht hoher Wahnsinnsfaktor. Man kann die Zahl der Gespräche mit den diversen Menschen nehmen, mit denen man im Berliner Getümmel jeden Tag so spricht, und bemessen, in welchem Maße sich das Verhältnis von Informanten und Frager verändert. Man ruft jemanden an, will was wissen, und findet sich alsbald in einer verkehrten Welt wieder. „Aber was hören Sie denn so?“, drehen sich diese Gespräche vermeintlich harmlos und dauern dann oft lang. Sogar Aktion und Reaktion in dieser Kommunikation verschieben sich. Man ruft nicht mehr an, man wird angerufen, von einem panischen SPD-Politiker, der Angst hat, als Heckenschütze in Verdacht zu kommen, von Grünen, die wissen wollen, was die Roten so vorhaben, und von Menschen, die im Dunstkreis von gewichtigen SPD-Politikern arbeiten und nun die Angst haben, er verglühe ohne Not in dieser Hitze des Berliner Feuers.
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Dienstag, 22. Mai 2012
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