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"Weltgericht" in Istanbul verurteilt symbolisch Verantwortliche für Irak-Krieg

Istanbul, 27. Juni (AF/EP) - Mit einem symbolischen Schuldspruch haben Friedensaktivisten und Intellektuelle aus aller Welt die Regierungen der USA, Großbritanniens und deren Verbündete für ihre Verantwortung im Irak-Krieg verurteilt. Nach dreitägigen Beratungen des Weltgerichts zum Irak (WTI) in Istanbul verlas die indische Schriftstellerin Arundhati Roy am Montag als Vorsitzende der "Jury des Gewissens" das Urteil. Darin forderten die Teilnehmer den "unverzüglichen und bedingungslosen Rückzug" der ausländischen Truppen aus dem Irak. Gegen die "Verantwortlichen für Verbrechen gegen die Menschlichkeit" müsse ermittelt werden, insbesondere gegen US-Präsident George W. Bush, den britischen Premierminister Tony Blair "und andere Regierungsvertreter der Koalition der Willigen", forderte das WTI. Das Weltgericht kritisierte die Vereinten Nationen dafür, die Irak-Krise nicht in den Griff bekommen zu haben. Es stellte zudem verschiedene im Irak aktive US- und britische Konzerne an den Pranger, darunter Halliburton, Carlyle, Boeing und Texaco. Das WTI rief zu einem weltweiten Boykott dieser Firmen auf. Bei dem Treffen in Istanbul wurden die Aussagen von rund 50 Augenzeugen und Experten angehört, darunter Juristen und ehemalige Soldaten. Auch Berichte wurden vorgestellt, etwa zum Anstieg der Leukämie-Fälle bei Kindern im südirakischen Basra seit der Anwendung von Uranwaffen im Golfkrieg 1991 und zu Gewalttaten gegen die Zivilbevölkerung in Widerstandshochburgen wie Falludscha. Das WTI wurde nach dem Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 ins Leben gerufen. Vorbild war das Russell-Tribunal, das der britische Philosoph Bertrand Russell in den 60er Jahren aus Protest gegen den Vietnam-Krieg gründete. Dem Weltgericht zum Irak gehören rund 200 Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace, Attac und die US-Vietnam-Veteranen gegen den Krieg an sowie Intellektuelle wie der US-Linguist Noam Chomsky und der ägyptische Soziologe Samir Amin. Das WTI tagte bereits 20 Mal an verschiedenen Orten der Welt.
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Samstag, 19. Mai 2012
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