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KOMMENTAR DES TAGES: Armeniens Rückzug aus den besetzten Gebieten
"Da passiert etwas"
von Ferai TINC - HÜRRIYET
In den Gebieten, die wir für weit entfernt halten, passiert etwas, dessen Auswirkungen auch hier bei uns zu spüren sein werden. Aber wir sollten am besten mit den nahe gelegenen Gebieten anfangen, um diese Entwicklungen richtig zu bewerten. Der aserbaidschanische und der armenische Praesident trafen sich an diesem Wochenende mit der Hoffnung, eine Lösung für das Problem Berg-Karabach zu finden. Wir haben keine ausführliche Information über die Einzelheiten.
Keiner erwartet sowieso einen konkreten Schritt vor den Wahlen in Aserbaidschan im November. Aber die Nachrichten und Erklaerungen zeigen uns, dass man sich im Problem Berg-Karabach langsam einer Lösung naehert. Denn im Hinblick auf die Sicherheit der Energiequellen für die USA und den Westen hat die Lösung eine grosse Bedeutung für Washington. Armeniens Rückzug aus den besetzten Gebieten, dann eine Entwicklung in den Verhandlungen für ein Referendum zur Bestimmung des Status’ von Berg Karabach, wird auch unsere Politik im Kaukasus beeinflussen. Deswegen sollten wir uns darauf vorbereiten, die Gefühle, die sich in den vergangenen Jahren gegen die Armenier entwickelt haben, abzubauen. Denn die Rolle, im Kaukasus Freundschaft und Frieden zu vertiefen, wird der Türkei zufallen.
Alijew und Kotscharjan trafen sich in Kasan waehrend der ‚Versammlung der Gemeinschaft Unabhaengiger Staaten’ (GUS). Als GUS vor 15 Jahren gegründet wurde, hatte man die Absicht, die ehemaligen sowjetischen Republiken unter der Schirmherrschaft Russlands zu halten. Heute ist es offensichtlich, dass man von diesem Ziel weit entfernt ist. Die Ukraine und Georgien wollen EU- und NATO-Mitglied werden. Nach dem Sturz von Akajew ist Kirgisien auch zufrieden mit der Entwicklung seiner Beziehung zu Europa. Bekanntlich hat Aserbaidschan dank seines Erdöls eine feste Beziehung mit den USA hergestellt. Ausserdem ist Aserbaidschan ein Europarat-Mitglied und hat ein Partnerschaftsabkommen mit der NATO. Als letzter beschloss Turkmenistan als ein unabhaengiger Staat, aus dem GUS auszutreten. Die GUS ist nicht mehr eine Gemeinschaft unter der Schirmherrschaft Russlands. Diese Entwicklungen führen Moskau von einer Interventionspolitik zu einer konstruktiven Linie im Kaukasus und bringen es naeher zu China in Zentralasien.
Jetzt können wir über Usbekistan reden. Der Beschluss des usbekischen Parlaments, den amerikanischen Stützpunkt in Usbekistan zu schliessen, war nicht nur ein grosser Anschlag gegen die langfristigen Plaene der USA, sondern machte auch den Weg frei für ein neues Gleichgewicht. Denn die K2 war einer der grössten Stützpunkte Amerikas im Gebiet. Nicht nur Usbekistan, sondern auch andere Regierungen im Gebiet sind beunruhigt über die Stützpunkte Amerikas. Das erleichtert auch das Eindringen von Einflüssen extrem religiöser Gruppen in das dort ansaessige muslimische Volk. Auch Kirgisien beharrt auf eine Erklaerung seitens der USA, wann sie ihre Truppen vom Stützpunkt Manas zurückziehen werden. Es ist nun deutlich geworden, dass der eigentliche Zweck der in Asien stationierten amerikanischen Truppen nicht „Afghanistan“ ist, sondern die Sicherung der in Mittelasien und im Kaukasus befindlichen Energiequellen und –wege.
Das zeigt auch, dass die Anwesenheit Amerikas im Gebiet nicht vorübergehend ist. Also wird man neue Alternativen suchen. Berichten zufolge ist Aserbaidschan das Land, in dem die USA mehr Stützpunkte haben wollen. Diese Alternative wird auch im Hinblick auf einen Einsatz gegen den Iran bewertet.
Was hat das alles zu bedeuten? Es gibt nicht nur eine Antwort auf diese Frage. Aber die erste kann ich geben: Diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass die Unruhe weiter besteht. (29.08.2005)
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