Der englische Außenminister Jack Straw hat mit seinen Erklärungen am 7.Februar im Unterhaus nicht nur die türkische Initiative in Bezug auf Zypern unterstützt, sondern sich auch darum bemüht, einen gemeinsamen Druck auf die südzyprischen Führung zu erzeugen.
England betrachtet die Zypernfrage nicht aus einer engen Perspektive, verhält sich bezüglich der EU-Mitgliedschaft der Türkei aus geopolitischen Gründen ziemlich anders im Vergleich zu anderen EU-Mitgliedern und ist der Ansicht, eine Blockierung dieser Mitgliedschaft wegen der Zypernfrage sollte verhindert werden. Diese Haltung steht im Einklang mit jener der USA.
Was uns bei den Erklärungen von Straw am meisten interessierte, waren seine Worte über die Anerkennung der TRNZ. Diese wurden ein wenig übertrieben. Eigentlich war Straw ziemlich vorsichtig. Er betonte, dass England die ‚sogenannte Türkische Republik Nordzypern’ nicht anerkenne, einige Länder aber beginnen würden, den ‚Status quo’ auf der Insel anzuerkennen, wenn Südzypern seine kompromisslose Haltung fortsetze und die EU-Vollmitgliedschaft der Türkei unmöglich mache.
Mit ‚Status quo’ ist eher das Taiwan-Modell gemeint. Die Länder außerhalb der EU können zwar dieses Modell in Betracht ziehen, aber auch einen Schritt weiter gehen und die TRNZ auch juristisch anerkennen, mit ihr diplomatischen Kontakt aufnehmen, indem sie die Beschlüsse des UN-Sicherheitsrates ignorieren.
Der Druck der USA auf jene Länder, die zur Anerkennung der TRNZ nach ihrer Proklamierung im Jahre 1983 tendierten, wird heute nicht existieren; denn, die Ergebnisse des Referendums vom 24.April 2004 haben die andersartige Identität Nordzyperns ziemlich verstärkt.
Für die EU-Mitglieder ist es nicht möglich, sich wie die anderen Länder zu verhalten, weil die EU Südzypern als einen Mitgliedsstaat aufgenommen hat, der die ganze Insel vertritt. Straw gesteht jetzt, dass es ein Fehler gewesen ist; aber es ist zu spät. Den EU-Ländern gelingt es nicht, nicht einmal bei Maßnahmen zur Erleichterung des direkten Handels mit Nordzypern, den Widerstand Südzyperns zu brechen.
Die nützlichste Formel für Nordzypern ist ein Status quo, ähnlich wie im Fall Taiwan. Dadurch kann sowohl der wirtschaftliche Unterschied zwischen dem Süden und dem Norden vermindert, als auch die Integration des Nordens in die EU erleichtert werden, wenn eine Lösung auf der Insel erzielt wird. Ein weiterer Vorteil dieser Formel ist, dass die Zyperntürken ihren Status als EU-Bürger, den sie heute haben, bewahren können.
Die Erklärungen von Straw, das Vorhaben eines hochrangigen Diplomaten im US-Außenministerium sowie des schwedischen Außenministers, TRNZ-Staatspräsident Talat zu besuchen sowie die Änderungszeichen bei der Haltung Russlands gegenüber den Zyperngriechen beweisen, dass die Kompromisslosigkeit von Papadopoulos ernste Reaktionen hervorzurufen beginnt.
Straw hielt bei seiner Rede im Unterhaus einen Rückblick und erklärte, dass sich die zyperngriechischen Führer Ende der 90’er Jahre vernünftig verhalten hätten, aber eine Verhandlung mit den Zyperntürken unter Führung von Denktaş beinahe unmöglich gewesen war.
Wegen der Kompromisslosigkeit der politischen TRNZ-Führung damals haben die Völker der Türkei und der TRNZ einen hohen Preis bezahlt und tun es immer noch. Das Ziel von Straw ist, Papadopoulos einzureden, dass auch die Zyperngriechen dasselbe Schicksal erleiden könnten. Es gibt aber einen Unterschied. Das zyperntürkische Volk stimmte am Ende für eine Lösung und wählte einen Führer, der internationale Glaubwürdigkeit besitzt.
Papadopoulos dagegen gibt zurzeit den Anschein, dass er es geschafft hat, das zyperngriechische Volk -parallel zu seiner eigenen Ansicht- zu radikalisieren.