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Der Ausgang des Volksentscheids in der Schweiz zum Minarettverbot bestimmt die Berichterstattung der in Deutschland erscheinenden türkischen Tageszeitungen vom Montag...
Auswertung der türkischen Zeitungen · MINARETT-REFERENDUM: · DIE SCHWEIZ IST DEM FASCHISMUS AUSGELIEFERT! · MIGRANTEN SIND SCHOCKIERT · TOLERANZPRÜFUNG NICHT BESTANDEN · HARTE POLITIK GEGENÜBER MIGRANTEN · KOMMENTAR: WELCH EIN SCHANDE!
DIE SCHWEIZ IST DEM FASCHISMUS AUSGELIEFERT! «Die Schweiz ist dem Faschismus ausgeliefert», heißt es drastisch auf der Titelseite des konservativen Massenblatts SABAH über den Ausgang des Volksentscheids in der Schweiz, dass in der keine neuen Minarette gebaut werden dürfen. Das Blatt schreibt: «Die Forderung zweier rechtsradikaler Parteien zum „Minarettstopp" ist mit 57,5 Prozent angenommen worden. Die Schweizer Regierung und das Parlament hatten darauf hingewiesen, dass das Referendum gegen die Schweizer Verfassung sei und die Grundsätze der Religionsfreiheit und der Toleranz verstoße». Unter der Überschrift «Über Grundrechte darf man nicht abstimmen», berichtet die Zeitung von der Reaktion des Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), Kenan Kolat, zum Minarettverbot. «Es zeigt sich, dass die europäischen Gesellschaften noch nicht ganz reif sind für die Zuwanderung und für die Einwanderung», so Kolat. Die Zeitung kommentiert den Ausgang mit den Worten: «Diese Schmach wird ihnen reichen!». MIGRANTEN SIND SCHOCKIERT «Überraschendes Ergebnis aus der Urne: Minarettverbot in der Schweiz», ist auf der Titelseite der HÜRRIYET zu lesen. Die Zeitung meint die Gründe für das Votum der Schweizer zu kennen: «Frauen, die sich von den Plakaten mit verhüllten Frauen haben einschüchtern lassen, haben „Nein zu Minaretten" gesagt. Die extreme Rechte in der Schweiz feiert. Die weltweite Öffentlichkeit und die Schweizer Migranten sind schockiert.
«Sie haben die Toleranzprüfung nicht bestanden», heißt es in der liberalen MILLIYET zum Ausgang des Referendums. «Die SVP hatte mit ihren hetzerischen Plakaten das Land in zwei Lager gespalten. Rechtsexperten gehen davon aus, dass die Entscheidung gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstößt und bei einem Gang vor die den Europäischen Gerichtshof abgelehnt werden würde», wie die Zeitung betont.
«Die Höhe des Minaretts hat die Schweiz überflügelt», schreibt die national-islamische TÜRKIYE zum Volksentscheid der Schweizer. «Nun wird erwartet, dass die durch das Referendum gestärkten rechten Parteien ihre Aktivitäten fortsetzen und eine harte Politik gegenüber Migranten betriben», wie die Zeitung meint. KOMMENTAR: WELCH EIN SCHANDE! Mikdat Karaalioglu, Chefredakteur der Sabah Europa-Ausgaben kommentiert die Anti-Minarett Volksabstimmung:
Haben sie eigentlich ein Recht gegen den demokratischen Willen? Selbstverständlich nicht. Alle müssen sich vor dem Ergebnis der Demokratischen Volkabstimmung beugen. Die Frage bleibt trotzdem, wie demokratische Grundrechte von einer Volkabstimmung abhängen können, wie das mit dem Geist der Demokatie und der Kulturtoleranz Europas zu vereinbaren ist? Die Standards für den Rest der Welt in Bezug auf Menschenrechte und Freiheit werden in Europa bestimmt, wo auch viele Ethnien mit ihren sozialen und kulturellen Werten als gleichberechtigte Bürger leben, obwohl sie in der Zahl unterlegen sind. Wenn man all diese Grundrechte durch Volkabstimmung in Frage stellen würde, könnte Europa auf ihren verdieneten Ruf als Kontinent der Freiheit nicht stolz sein. Diese Volksabstimmung haben wir in unserer heutigen Ausgabe mit der Schlagzeile „Schamhaft" kommentiert. Schamhaft, weil dies per Volksabstimmung durchzusetzen, mit jeglichen ethischen Werten in Widerspruch gerät. Abgesehen von den Erniedringungen der Minarettegegner mit ihren Aufrufen und Plakaten, läuft diese Volksabstimmung Gefahr, Grundrechte zu verletzen. (c) Alle Rechte vorbehalten. Ali Yumusak, www.europress.de, E-Mail: yumusak@europress.de |